Gesichter des Widerstands

Unter dem Arbeitstitel „Gesichter des Widerstands“ erstellte der Fotograf Miguel L├Âhmann (https://www.instagram.com/migs_mag/) im Dezember 2020 die folgende Portraitserie. Zu sehen sind einige Aktivist:innen die zu dieser Zeit im Dannenr├Âder Wald aktiv waren und deren pers├Ânliche Beweggr├╝nde. Siehe auch Berichterstattung der Zeit.

AUFGEBEN IST KEINE OPTION!

Als ich in den Wald kam, stand nur noch das letzte Barrio. U╠łberall waren Grabkerzen auf den Baumstu╠łmpfen und die mu╠łden Gesichter der Aktivistinnen und Aktivisten spiegelten ihre Trauer wider ÔÇô u╠łber den verwundeten Wald und die gewaltsame Durchsetzung eines vo╠łllig veralteten Verkehrsplans. Auch wenn viel Wut und Entta╠łuschung in mir sind, wei├č ich, dass Aufgeben keine Option ist! Es gibt noch viele andere bedrohte Wa╠łlder, die wir schu╠łtzen mu╠łssen, und das Ende vom Danni ist auch ein neuer Anfang.

Lucy, 21 Jahre Die Aktivistin reiste erst zum Ende der Rodungsarbeiten in den Dannenro╠łder Forst.

ICH WAR TEIL EINER GELEBTEN UTOPIE

Ich finde es bedauerlich, dass sich vorrangig auf die wenigen, jedoch existierenden Gewalttakte fokussiert und dadurch eine mehrheitlich friedliche, bunte und kreative Protestbewegung u╠łberschattet wurde. Dies hat davon abgelenkt, dass wir alle vor gro├čen sozialen und o╠łkologischen Herausforderungen stehen, die wir nur gemeinsam bewa╠łltigen ko╠łnnen. Heute habe ich gemischte Gefu╠łhle. Einerseits bin ich traurig daru╠łber, dass letztendlich eine gesellschaftliche Utopie einer kapitalistischen Dystopie weichen musste. Andererseits bin ich dankbar, dass ich ein Teil einer gelebten Utopie sein konnte. Denn wir brauchen dringend mo╠łgliche Formen von Utopien des Verzichtes, die als Gesellschaftsmodelle dienen und die Weiterentwicklung unserer Demokratie unterstu╠łtzen.

Tobias, 31 Jahre Er ist immer in Begleitung seines Hundes bei den Protesten. Meist spricht er mit den Beteiligten und versucht zu deeskalieren.

ICH WERDE MEIN ZELT WIEDER AUFBAUEN

Das Wald statt Asphalt Camp bleibt weiterhin bestehen, nach dem Jahreswechsel werde ich dort wieder mein Zelt aufbauen, um weiterzumachen. Mit unserem Protest trafen wir mitten ins Herz einer veralteten autozentrierten Politik, die sich eingestehen muss, dass eine Autobahn durch einen gesunden Mischwald der falsche Weg ist, die Klimaziele einzuhalten. Es ist bedru╠łckend, die gerodete Trasse im Wald zu sehen, aber wir haben den Danni zum Symbol der Mobilita╠łtswende gemacht und so habe ich Hoffnung, dass der Protest auf lange Sicht hin wirksam sein wird.

Cord, 24 Jahre Der Medieninformatikstudent k├╝mmert sich um die Gestaltung von Flyern, Stickern und die Social Media Accounts.

DIE BRUTALITA╠łT DER POLIZEI WAR FURCHTEINFLO╠łSSEND

Ich war von dem Protest schockiert. Es hat mehrere Tage gedauert, um diese Bilder zu verarbeiten. Die Pra╠łsenz und Brutalita╠łt der Polizei vor Ort war einfach furchteinflo╠ł├čend und unmenschlich. Das schlimmste Bild fu╠łr mich war, als ein Polizist eine Pfefferspray-Ladung in eine Menschenmenge geschossen hat. Ich sah, wie ein junges Paar aus dieser Menge herausbrach und sich vor Schmerzen windend versuchte, mit Wasser das Pfefferspray aus den Augen zu waschen. Ich bin wu╠łtend, aber vor allem entt├Ąuscht. Und zwar nicht nur von dem, was dort im Dannenro╠łder Forst passiert ist, sondern auch von der Bundesregierung, die so etwas zula╠łsst.

Moose, 27 Jahre Beginnt bald eine Ausbildung zum Wald- und Wildnispa╠łdagogen, um andere Menschen f├╝r den Wald zu begeistern.

JEDER MENSCH, DER SICH DAMIT BESCHA╠łFTIGT, IST EIN GEWINN

F├╝r mich ist der Protest ein Erfolg. Jeder Bericht, jeder Mensch, der sich mit dem Dannenr├Âder Forst und unserem Klimaprotest bescha╠łftigt, ist ein Gewinn. Allein sind wir zu schwach, wir brauchen alle Menschen, die noch eine Zukunft haben wollen, an unserer Seite. Im Wald zu sitzen und zu wissen, dass diese Ba╠łume so lange gewachsen sind und jetzt f├╝r ein solches Projekt sterben mussten, hat mich fassungslos gemacht. Dieses Gefu╠łhl nutze ich als Antrieb. Zu meiner Angst mischt sich auch Hoffnung, weil unsere Bewegung stetig wa╠łchst.

Barbara, 23 Jahre Sie ist Aktivistin bei Fridays for Future und begann mit 14 Jahren sich f├╝r Tierschutz zu engagieren.

ICH WERDE HIERBLEIBEN

Noch ist die Autobahn nicht gebaut und selbst wenn sie gebaut wird, haben wir ein Zeichen gesetzt, das hoffentlich einen Einfluss auf andere Projekte dieser Art hat. Dennoch bin ich wu╠łtend und entta╠łuscht u╠łber die unwiederbringliche Zersto╠łrung meines Zuhauses fu╠łr eine sinnlose Autobahn. Ich werde hierbleiben.

Zitrone, 21 Jahre Ist seit Beginn ist er Teil des Widerstands im Danni.
top