Kampf um Alleenbäume in Zeuthen

In Zeuthen nahe Berlin sollen 244 Alleenbäume einer Straßensanierung zum Opfer fallen. Doch Anwohnende wehren sich. Angesichts der zunehmenden Hitze und Trockenheit zählt jeder alte Baum.

Straßensanierung geht auch ohne Rodung

Die Seestraße ist eine alte Allee, deren Straßenbelag und Bürgersteige saniert werden müssen. Das bestreiten auch weder die Bürgerinitative Pro Allee, noch der Naturschutzbund Brandenburg, der gegen die Fällungen der Bäume geklagt hatte. Die Klage wurde im Juli diesen Jahres vom OVG Berlin-Brandenburg abgewiesen, allerdings sind die juristischen Möglichkeiten noch nicht erschöpft.

Zur grundhaften Sanierung, die vom Land Brandenburg angestrebt wird und die Rodung der Bäume bedingt, gäbe es Alternativen, führt der NABU aus. Denkbar wäre eine fachgerechte Reparatur oder Teilerneuerung, die das Wurzelwerk der alten Bäume unangetastet ließen. Ein Beispiel, wo dies gut gelungen ist, ist die Fontaneallee zwischen Zeuthen und Wildau.

Alleen sind in Brandenburg gesetzlich geschützt. Es bezeichnet sich selbst als alleenreichstes Bundesland und möchte laut seiner Alleenkonzeption 2030 diese schützen und stärken. Allerdings gerät der Wunsch und das Versprechen nach Erhalt von Naturräumen auch hier und wie so oft in Konflikt mit alten Straßenbauplanungen. Weder Gerichte noch Planungsbehörden sind bereit, nicht mehr zeitgemäße Planfeststellungsbeschlüsse und alte Verkehrsprognosen zu überprüfen und Alternativen zu erwägen. Dabei erfordert die dringend notwendige Klimaanpassung den Erhalt etablierter Baumbestände. Der Konflikt um die Seestraße in Zeuthen steht beispielhaft für eine Auseinandersetzung, die an vielen Orten geführt wird. Wieviel Naturraumzerstörung sind wir bereit hinzunehmen, ohne zu fragen: was ist wirklich notwendig, damit wir gut leben können? 

Jeder Alleenbaum zählt

Die letzten Hitzesommer haben uns gezeigt, das sich die Klimakrise rasant verschärft. Die Bäume in der Seestraße sind an die 100 Jahre alt und an den Standort angepasst. Sie sind wichtige Schatten- und Sauerstoffspender, binden CO2 und Feinstaub und sind unverzichtbar, um das lokale Klima durch Frischluft und Abkühlung zu verbessern. Ihr geschlossenes, dichtes Kronendach bietet Vögeln, Fledermäusen und Insekten ein wichtiges Habitat. Der Erhalt der Allee ist daher nicht nur für die Anwohnenden wichtig, sondern auch für Klima- und Artenschutz unverzichtbar.

Anwohnende, die BI pro Allee und der NABU-Dahmeland kämpfen um Sichtbarkeit des Konflikts. Neben den üblichen Peditionen, Demonstrationen und Infoveranstaltungen setzten sie auch auf kreative Aktionen. Vergangenen Sonntag zum Beispiel gab es einen Kletter-Workshop für Anfänger*innen und Fortgeschrittene und zum Abschluss einen Bannerdrop. Dabei wurde das wunderschöne Ergebnis einer gemeinsamen Malaktion aufgehängt. Protest kann eben vielseitig sein.


Mehr über den Protest gegen die Rodung der Zeuther Alleenbäume unter https://www.nabu-dahmeland.de/themen-und-projekte/seestra%C3%9Fe-zeuthen-b%C3%BCrgerinitiative-pro-allee/

Ähnliche Themen
rauf