Wald-statt-Asphalt-Newsletter #17

Wald-statt-Asphalt-Newsletter #17

Liebe Freundinnen und Freunde des Dannenröder Waldes,

gestern am Nachmittag gegen 16.00 Uhr fiel das letzte Baumhaus den Rodungstrupps und Polizeieinheiten zum Opfer. Die Trasse der A49 im Dannenröder Wald ist nun komplett gerodet.

Das letzte Baumhaus Hambi kurz vor der FĂ€llung.

Noch in der Nacht von Montag auf Dienstag pulsierte in KĂ€lte, Schlamm und NĂ€sse ungebrochen das Herz des Widerstandes in den letzten BaumhĂ€usern im Barrio „Oben“. Und die Aktivisti in den Kronen der alten Buchen und Eichen waren nicht allein


In der zurĂŒckliegenden Woche erfuhren sie durch zahlreichen Aktionen eine beeindruckende SolidaritĂ€t, insbesondere am Wochenende. Am Freitagmorgen sorgte Starpianist Igor Levit fĂŒr GĂ€nsehaut auf der Rodungsschneise. Die KlĂ€nge seines Pianos bildeten einen zutiefst emotionalen Kontrast zu den Bildern der VerwĂŒstung auf der Trasse, die niemanden unberĂŒhrt ließen. Wie ein absurder Film mischten sich die Bilder der Rodungsmaschinen und der Polizeieinheiten mit der Schönheit seiner Musik.

Am Samstag unterstĂŒtzten hunderte Ende-GelĂ€nde-Aktivist*innen die Besetzung. Auch wenn es nicht mehr viele Strukturen zu verteidigen gab, machten sie nochmals ihre SolidaritĂ€t mit den Besetzer:innen und ihrem Widerstand deutlich.

Am Sonntagvormittag trafen zahlreiche prominente Vertreter:innen von Klimabewegung und UmweltverbĂ€nden, u.a. Antje Grothus, Klimaaktivistin aus dem Rheinland und Peter Wohlleben, Förster und Autor im Wald ein, um gemeinsam fĂŒr eine klimagerechte Verkehrswende zu protestieren.

Die Kundgebung am Sonntagnachmittag wurde nach wenigen Reden und MusikbeitrĂ€gen spontan unterbrochen und rund 800 Menschen zogen zum Schutz der letzten verbliebenen BaumhĂ€user und ihrer Aktivisti in den Wald. Über ein Megafon wurden die unterbrochenen Reden vor Ort abgehalten. Luisa Neubauer und viele Vertreter:innen aktiver Gruppen des Danni sprachen den verbliebenen Aktivisti in den BaumhĂ€usern von „Oben“ Mut und SolidaritĂ€t zu. Der Rest der Kundgebung wurde spĂ€ter auf dem Sportplatz fortgefĂŒhrt und endete mit einem eher nachdenklichen Vortrag der taz Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann, die eindringlich dazu aufrief, dass sich die Klimabewegung Gedanken zum ganz realen Transformationsprozess der Wirtschaft und der Gesellschaft hin zu einer nachhaltigen klimagerechten Welt machen muss.

Bei der Aktion „Nikolaus trifft Danni“ der Dannieltern wurden am Abend tausend SolidaritĂ€tspĂ€ckchen aus der ganzen Bundesrepublik auf der BĂŒhne des Sportplatzes an die Aktiven der Besetzung verteilt. Die großzĂŒgigen Spenden ĂŒbertrafen bei weitem den Bedarf der Aktivisti. Darum wurde beschlossen, einen Teil an FlĂŒchtlinge weiter zu spenden. Die vielen sehr persönlichen Grußbotschaften, die in den PĂ€ckchen enthalten waren, wurden spĂ€ter im Wald verlesen. Mit heißem Fruchtpunsch, „Danni-bleibt!“ PlĂ€tzchen, Buttons und Plakaten wurden an diesem Tag in Zusammenarbeit mit attac und den Parents for Future 1000 Euro Spenden fĂŒr die Waldbesetzung eingesammelt.

FĂŒr Montag riefen Extinction Rebellion zu weiteren Protesten gegen den Bau der A49 auf. Mit ihrer „Operation Ruprecht“ hatten sie jedoch einen Tag nach Nikolaus keine Geschenke fĂŒr die Verantwortlichen der Zerstörung von Ökosystemen und unserer Lebensgrundlagen dabei.

Aber bei aller SolidaritĂ€t ist der Weg im Danni nun doch unwiderruflich in der jetzigen Form beendet. Doch die Bewegung bereitet sich auf neue Aktionsformen vor. Nach der RĂ€umung der Trasse beginnt der eigentliche Bau der Autobahn. „Eine Schneise der VerwĂŒstung fĂŒr ein paar gesparte Minuten – nicht mit uns!“

Durch Zuwegungen, Versorgungsstrecken, ParkplĂ€tze und einem geplanten Logistikzentrum werden am Ende rund hundert Hektar des Danni fĂŒr die A49 bebaut werden. Jetzt geht es darum das 27-Hektar-MĂ€rchen zu entlarven. Diese Hektar-Angaben betreffen ausschließlich die Trasse. Dagegen und gegen alle kĂŒnftigen noch geplanten 44 weiteren Autobahnen des Bundesverkehrswegeplans 2030 werden wir lautstark Widerstand leisten.

„Ihr könnt uns die BaumhĂ€user nehmen, aber niemals die Kraft, die sie schuf!

Jedes Baumhaus eine Manifestation unserer Hoffnung,

dass sich trÀumen auch heute noch lohnt

Wir kamen, sahen sÀten

den Glauben an `ne bessere Welt


Bevor die KettensÀge kreischt

tönt es leise aus dem Wald

Danni bleibt, Danni bleibt!“

Aber hört selbst, was die Fridays for Future aus Berlin singen:

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Alle, die je im Danni waren und den Ruf der Bewegung “Danni bleibt!“ gehört und mitgerufen haben, wissen, wie schwer es zurzeit allen Aktiven fĂ€llt, sich vom Wald und den Barrios zu verabschieden. Aber Danni bleibt, und die Kraft, die die BaumhĂ€user schuf mit ihnen.

GlĂŒcksspiel mit der Trinkwasserversorgung

Gutachten zur Wasserrahmenrichtlinie weist gravierende inhaltliche LĂŒcken auf

Eine heute veröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme kritisiert gravierende inhaltliche LĂŒcken im sogenannten ‚ahu-Gutachten‘ zur europĂ€ischen Wasserrahmenrichtlinie. Da BefĂŒrworter:innen der A49 sich in ihrer rechtlichen Argumentation primĂ€r auf dieses Gutachten beziehen, ist diese neue EinschĂ€tzung von großer Relevanz fĂŒr die Verantwortung der schwarz-grĂŒnen Landesregierung im Kampf um die Autobahn.

Der aktuelle Polizeieinsatz fĂŒr die Rodungsarbeiten auf der geplanten Autobahntrasse findet direkt auf einem der wichtigsten Trinkwasserressourcen Mittelhessens statt. 500.000 Haushalte werden aus dem Gebiet rund um den Dannenröder Forst mit Trinkwasser versorgt. Wird ihre sichere Trinkwasserversorgung durch den Bau gefĂ€hrdet? Die heute veröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme kommt zu dem Schluss, dass sich dies nicht ausschließen lasse. Als besonders kritisch werden dabei u.a. die Sprengstoff-Altlasten im Boden sowie die Einleitestelle der AutobahnabwĂ€sser in das Grundwasser hervorgehoben.

Julian D. Rolfes vom Max-Planck-Nachhaltigkeitsnetzwerk: „Nach aktuellem Wissensstand gibt es keine fachlich stichhaltige Begutachtung, die den Einfluss des Autobahnbaus auf das Trinkwasserschutzgebiet untersucht. Scheuer und Al-Wazir spielen mit dem Trinkwasser einer halben Million Menschen.“ Das Wald-statt-Asphalt-BĂŒndnis veröffentlicht mit der Stellungnahme einen offenen Brief an die beiden Verkehrsminister, in welchem gefordert wird, alle BemĂŒhungen zur Realisierung des Autobahnbaus sofort zu stoppen: „Wissenschaftler*innen bestĂ€tigen heute erneut, was wir schon lange sagen: Al Wazir kann und muss die Rodung sofort beenden! Die schwarz-grĂŒne Landesregierung muss Verantwortung fĂŒr die sichere Trinkwasserversorgung in Hessen ĂŒbernehmen und ein lĂŒckenloses Gutachten in Auftrag geben, bevor sie Fakten schafft.“, so Charlie Linde vom BĂŒndnis.

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AktivitÀten am Wochenende

Sa, 12. Dezember

  • 11:00-13:00 Autonome Pressearbeit Erfahrungsaustausch (im großen Community Zelt)
  • 15:00-17:00 Rassistische Arbeitsteilung und Klimagerechtigkeit am Standort Stadtallendorf (mittleres Workshopzelt)
  • 15:00-17:00 Rassistische Arbeitsteilung und Klimagerechtigkeit am Standort Stadtallendorf (im großen Community Zelt)
  • Zeit folgt – Transformative Gerechtigkeit: Gerechtigkeit jenseits von Polizei, Justiz und Knast / Workshop Transformative Justice (whisper translation possible) vom ignite! Kollektiv (Ort folgt)

So, 13. Dezember

·       14:00 Kundgebung und Waldspaziergang

Gedenken und Abschied von den gefÀllten BÀumen.

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