Baumbesetzung im Wilden Wald verhindert Rodung

Die Nachricht vom vorlĂ€ufigen Rodungsstopp im Wilden Wald von Hamburg Wilhelmsburg ist mehr als nur eine juristische Zwischenentscheidung. Sie markiert einen Moment, in dem entschlossener Protest, praktische SolidaritĂ€t und rechtliche Schritte ineinandergriffen – und gemeinsam verhinderten, dass unwiederbringliche Fakten geschaffen wurden. FĂŒr viele Menschen, die sich fĂŒr den Erhalt stĂ€dtischer Natur einsetzen, ist die erfolgreiche Waldbesetzung ein Zeichen dafĂŒr, dass Engagement Wirkung zeigt.

Der sogenannte Wilde Wald ist ein ĂŒber Jahrzehnte gewachsener Sukzessionswald im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, der als ökologisch wertvoll gilt und zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Gleichzeitig stellt er fĂŒr die Menschen im dicht besiedelten Umfeld eine wichtige naturnahe RĂŒckzugsflĂ€che dar. Große Teile des etwa neun Hektar umfassenden Gebiets sollen langfristig dem geplanten Spreehafenviertel mit rund tausend Wohnungen weichen. Doch als im Februar kurzfristig eine erste Teilrodung vorbereitet wurde, formierte sich Widerstand – schnell, sichtbar und entschlossen.

Aktivistinnen und Aktivisten besetzten BĂ€ume, organisierten Proteste und machten öffentlich, dass die Rodung unmittelbar bevorstand. Parallel dazu reichte der Naturschutzbund Hamburg einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein, um die FĂ€llungen zu stoppen. Diese Kombination aus direktem Handeln vor Ort und juristischem Vorgehen erwies sich als wirksam. Noch am Tag der Proteste untersagte das Verwaltungsgericht Hamburg vorlĂ€ufig sĂ€mtliche FĂ€ll- und Rodungsarbeiten und verpflichtete das Bezirksamt, die Maßnahmen sofort zu stoppen. Der Rodungsstopp soll sicherstellen, dass der Sachverhalt sorgfĂ€ltig geprĂŒft werden kann – und dass bis dahin keine irreversiblen Eingriffe stattfinden.

Gerade dieser Punkt zeigt, wie wichtig die Waldbesetzung war. Ohne die Menschen vor Ort hĂ€tten die Rodungen möglicherweise begonnen, bevor ein Gericht reagieren konnte. Die Aktivistinnen und Aktivisten verhinderten so, dass innerhalb weniger Stunden Tatsachen geschaffen worden wĂ€ren, die sich nicht mehr hĂ€tten rĂŒckgĂ€ngig machen lassen. Die Besetzung machte sichtbar, dass der Wilde Wald nicht nur eine FlĂ€che auf einem Bebauungsplan ist, sondern ein lebendiger Ort, der von vielen als schĂŒtzenswert erlebt wird.

Die Ereignisse zeigen, […] dass gemeinsames Handeln RĂ€ume öffnen kann, in denen Natur eine Zukunft hat.

Auch wenn die endgĂŒltige Entscheidung noch aussteht, ist der Rodungsstopp bereits ein bedeutender Erfolg. Selbst Naturschutzorganisationen sprechen von einem wichtigen Teilerfolg und einem Zeichen dafĂŒr, dass Engagement und Rechtsstaatlichkeit zusammenwirken können. Die Ereignisse zeigen, dass es möglich ist, scheinbar feststehende Planungen noch einmal in Frage zu stellen – und dass gemeinsames Handeln RĂ€ume öffnen kann, in denen Natur eine Zukunft hat.

Die Geschichte des Wilden Waldes ist deshalb nicht nur eine lokale Auseinandersetzung um ein StĂŒck StadtgrĂŒn. Sie ist ein Beispiel dafĂŒr, wie entschlossene Menschen Verantwortung ĂŒbernehmen und wirksam handeln können. Die Besetzung hat gezeigt, dass Schutz nicht erst auf dem Papier beginnt, sondern dort, wo Menschen sich konkret einmischen. Der vorlĂ€ufig gerettete Wald steht heute als Zeichen dafĂŒr, dass Engagement etwas verĂ€ndern kann – und dass selbst kleine WaldstĂŒcke große Hoffnung wachsen lassen.

Wann mit einer finalen Entscheidung des Gerichts zu rechnen ist ist derzeit noch unklar. Aber wenn der Wald bis Ende der Woche verteidigt werden kann, ist er bis Oktober sicher, denn am 1. MĂ€rz beginnt die Brut- und Setzzeit und das Roden von BĂ€umen oder WĂ€ldern ist nicht mehr erlaubt. Bis dahin sind Menschen mit einer Mahnwache dauerhaft vor Ort und bereit erneut Widerstand zu leisten. Es bleibt also spannend im Wilden Wald.


Siehe auch Berichterstattung der Tagesschau https://www.tagesschau.de/inland/regional/hamburg/wilder-wald-in-wilhelmsburg-aktivisten-protestieren-gegen-rodung,wilderwald-100.html

Mehr ĂŒber den Protest im Wilden Wald unter https://wald-statt-asphalt.net/wilder-wald-bleibt/

Ähnliche Themen
rauf