
Hang zur Zukunft. Unsere Mathildenhöhe
Pressemitteilung
Folgende Pressemitteilung wurde gestern von der Initiative Osthang bleibt heraus gegeben:
Ausgangspunkt
Die Stadtverordnetenversammlung hat sich mit der Mehrheit von GrĂŒnen, CDU, SPD, Volt und FDP fĂŒr den Bau eines Informationszentrums auf der Mathildenhöhe ausgesprochen.
Durch Rodung und RĂŒckbau wurde nun ein Zustand geschaffen, der den Neubau als alternativlos erscheinen lĂ€sst. Gleichzeitig wurde politisch klargestellt, dass es sich um eine Entscheidung und nicht um eine zwingende Vorgabe der UNESCO handelt. Der eingeschlagene Weg ist also keine Notwendigkeit, sondern eine Entscheidung. Und Entscheidungen können geĂ€ndert werden.
Auch wenn groĂe Teile der Lokalpolitik an diesem Projekt festhalten und Kritik als zu spĂ€t oder illegitim abtun, ist die zentrale Frage:
Ist der Neubau wirklich die beste Lösung ab heute?
Die Mathildenhöhe war historisch kein statisches Museum, sondern ein Experimentierfeld. Ein Ort des Neuen, ein Ort des Wagnisses. Diese Vergangenheit verpflichtet nicht nur zum Erhalt, sondern auch zur Weiterentwicklung. Der Osthang sollte deshalb zum Zukunftshang werden.
Parallel dazu arbeitet die Initiative derzeit an einem offenen Brief an die Stadt, in dem konkrete Forderungen formuliert werden â getragen von Stimmen aus Architektur, Forschung und Zivilgesellschaft. Ziel ist es, den Dialog mit den politischen Fraktionen auf eine breite Grundlage zu stellen und zu appellieren: fĂŒr eine nachhaltige, partizipative und den UNESCO-Werten entsprechende Freiraumplanung â fĂŒr einen lebenswerten Osthang.
Leitidee: Hang zur Zukunft
Der Hang zur Zukunft ist ein offener Raum, in dem Natur, Architektur und gesellschaftliche Nutzung gemeinsam entstehen.
Die Mathildenhöhe war historisch ein Ort des Experiments. Der Hang zur Zukunft ĂŒbertrĂ€gt diese Idee in die Gegenwart. Internationale Beispiele zeigen, dass offene, nutzungsgetriebene RĂ€ume funktionieren:
Das Tempelhofer Feld in Berlin steht fĂŒr einen groĂen inner-stĂ€dtischen Freiraum, der ohne Bebauung durch vielfĂ€ltige Nutzung lebendig bleibt; die PrinzessinnengĂ€rten zeigen, wie temporĂ€re, gemeinschaftlich getragene Projekte urbane RĂ€ume aktivieren können; das Haus der Statistik in Berlin ist ein Beispiel fĂŒr eine schrittweise Entwicklung, bei der Nutzung vor endgĂŒltiger Planung steht; und die Floating University demonstriert, wie experimentelle, naturbezogene Formate neue Formen von Lernen und Kultur im Stadtraum ermöglichen.
Diese Orte zeigen: Lebendige StadtrÀume entstehen nicht durch fertige Bauprojekte, sondern durch Nutzung, Zeit und Offenheit.
Ein hĂ€ufig vorgebrachtes Argument ist, dass die Planung des Informationszentrums bereits zu weit fortgeschritten sei. Das ist ein Denkfehler. Bereits getĂ€tigte Investitionen sind sogenannte âsunk costsâ. Sie dĂŒrfen nicht darĂŒber entscheiden, ob ein Projekt weitergefĂŒhrt wird. Je höher die bisherigen Investitionen, desto wichtiger ist es, weitere Entscheidungen nicht daran auszurichten, sondern ausschlieĂlich daran, was ab jetzt die bessere Lösung ist. Die entscheidende Frage ist: Was ist ab jetzt die beste Lösung?
Der Gegenentwurf: Hang zur Zukunft
Ein Hang zur Zukunft erfĂŒllt die gleichen Ziele wie ein Informations- zentrum: Vermittlung, Bildung, Aufenthalt und Begegnung. Aber anders: Nicht durch ein groĂes GebĂ€ude, sondern durch einen lebendigen Ort. Das Problem des Informationszentrums ist nicht seine Ausgestaltung, sondern seine Logik: Erst wird gebaut und dann gehofft, dass Nutzung entsteht. Ein GebĂ€ude kann aber keinen lebendigen Ort erzeugen. Es kann nur hoffen, dass Leben einzieht. Ein Hang zur Zukunft schafft hingegen einen Ort, der durch Nutzung entsteht und sich weiterentwickelt. Damit ist er nicht die weichere, sondern die robustere Lösung: anpassungsfĂ€hig, reversibel und weniger risikobehaftet. Was dafĂŒr sofort gebraucht wird, ist klar und ĂŒberschaubar: Zugang, Sitzmöglichkeiten, Schatten, Wasser, Strom und ein kulturelles Programm.
Umsetzung
Phase 1 (0â6 Monate)
– Politische Ăffnung und Moratorium Neubau Informationszentrum
– TemporĂ€re Nutzung ermöglichen
– Einfache Infrastruktur schaffen
– Erste Veranstaltungen starten
Ein Kultursommer mit Fokus auf der Verbindung von Mensch, Natur und Kultur kann ein sichtbarer Startpunkt sein.
Phase 2 (6â18 Monate)
– Pflanztage: Erste Pflanzungen und ökologische MaĂnahmen
– Bautage: TemporĂ€re Bauten errichten
– Kulturtage: RegelmĂ€Ăiges Kulturprogramm etablieren
TemporĂ€re Strukturen wie WerkstĂ€tten, BĂŒhnen und Ausstellungsorte schaffen Raum fĂŒr Entwicklung.
Phase 3 (18â36 Monate)
– Strukturen weiterentwickeln
– TrĂ€germodell aufbauen
Ein gemeinnĂŒtziger TrĂ€ger kann echte Partizipation ermöglichen und den Ort langfristig tragen.
Ziel
Der Hang zur Zukunft ist ein Ort, der die Idee der Mathildenhöhe in die Gegenwart ĂŒbertrĂ€gt: nicht als fertiges GebĂ€ude, sondern als lebendiger Prozess. Das Prinzip ist klar: Nicht erst bauen, dann nutzen. Sondern erst nutzen, dann das Gute schrittweise verstetigen. Ein lebendiger Ort ist die ĂŒberzeugendere Lösung, weil er sich entwickelt, statt von Anfang an festgelegt zu sein. Langfristig stĂ€rkt das auch die Mathildenhöhe selbst: Neben der Bewahrung des Bestehenden entstehen neue Impulse, neue Formate und neue AnlĂ€sse. Der Zukunftshang ergĂ€nzt das Museum nicht als Konkurrenz, sondern als Weiterentwicklung.
Mehr ĂŒber den Protest am Osthang unter https://wald-statt-asphalt.net/osthang-bleibt/
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