B49-Neubau: Ringen um die ersten Baustellen


Die Baumbesetzung an der geplanten B49-Südumgehung bei Reiskirchen wurde mit Ende der Rodungsperiode und der erfolgreich verhinderten Rodung der Bäume vorläufig beendet, abgebaut und die Plattform eingelagert, um die Bäume zu schonen. Die Besetzung hat den Baustart der ersten Brücke, welche einen Feld- und Radweg, den Bach „Wieseck“ und die Vogelsbergbahn überspannen soll, abgewehrt. Doch der Widerstand gegen die Pläne des Straßenneubaus entlang des Naherholungs- und Naturschutzgebietes Jossollertal ist weiterhin stark.

Zauneidechse stört Hessen Mobil

Drei Brücken sollen vor dem Neubau der B49 errichtet werden. Die streng geschützte Zauneidechse jedoch stört an den beiden weiteren geplanten Standorten. Und dort kommt Hessen Mobil einfach nicht weiter.

Eine Baufirma stellte im Frühjahr Reptilienzäune (baugleich der Krötenschutzzäune) auf, damit nach dem Einfangen und Umsiedeln der Eidechsen keine neuen Exemplare aus der Umgebung in die geplanten Baugebiete einwandern können. Denn mit dem Bau kann erst begonnen werden, wenn gesichert ist, dass keine geschützten Arten mehr auf den Flächen vorkommen. Als am 15. März erstmal die Lufttemperatur über 15 Grad lag und die Eidechsen aus der Winterstarre hätten erwachen können, lag der Zaun an beiden Baustellen in Fetzen geschnitten am Boden. Es dauerte sechs Wochen, bis Ersatz beschafft und aufgestellt war. Am 29. April standen die neuen Reptilienzäune und jeweils ein zusätzlicher Metallzaun, der weitere Angriffe verhindern sollte. Zudem häufelte die Baufirma Sand auf die umgeschlagene Unterkante der Folien. Am letzten Apriltag hätte die Umsiedlung wieder beginnen können. Doch am frühen Morgen besiedelten nur Polizei und die landesregierungseigene Straßenfirma Hessen Mobil das Gelände: Reptilien- und Metallzaun waren an beiden Baustellen vollständig zerstört. Es bleibt spannend, wie es jetzt weitergeht. Alle bisherigen Versuche, mit dem Bau zu beginnen, sind gescheitert. Mitte Mai legen Zauneidechsen ihre Eier ab. Danach wäre eine Umsiedlung fachlich nicht mehr sinnvoll, da trotz Einzäunung Jungtiere auftauchen könnten.

Politische Brisanz

Hessen Mobil scheint die Lage inzwischen auch als bedrohlich einzuschätzen. In der letzten Ausschreibung für eines der Bauwerke auf der Trasse war zu lesen:

„Aufgrund der politischen Brisanz der Gesamtmaßnahme ist grundsätzlich mit Versuchen zur Störung der Baustelle und des Bauablaufes zu rechnen. Daher ist das gesamte Baufeld einschließlich der Baustraße wirksam gegen das Eindringen Unbefugter zu schützen. Hierzu ist im Leistungsverzeichnis eine Position mit speziellen Bauzäunen vorgesehen. Die Bauzäune müssen untereinander verschraubt, mit Y-förmigem Übersteigschutz inkl. mind. drei Reihen Draht und Aushebesicherung sowie Stützstreben hergestellt werden. Es ist sicherzustellen, dass die Tore dauerhaft verschlossen sind und nur für das jeweilige Passieren des Baustellenverkehrs geöffnet werden. Sämtliche Baugeräte, insbesondere die eingesetzten Hebegeräte, sind täglich vor Beginn der Arbeiten auf Sabotage zu überprüfen.“

Brücken bauen zwischen Menschen, nicht für Straßen!

Währenddessen versuchen Verkehrswende-Aktivist*innen zusammen mit den betroffenen Landwirt*innen und Anwohner*innen, die Auseinandersetzung verstärkt in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Mai und Juni werden fünf Begegnungsfeste in den angrenzenden Wohngebieten stattfinden. Das Motto „Brücken bauen zwischen Menschen, nicht für Straßen!“ zielt auf den doppelten Charakter hin: Das Leben wieder zu den Menschen zu bringen und den ständigen Bau neuer Straßen, durch den Orte belastet, Flächen versiegelt und Lebenszusammenhänge auseinandergerissen werden, zu verhindern. Start ist am Freitag, den 8. Mai, ab 17 Uhr im Reiskirchener Geranienweg. Weitere Termine mit jeweils gleicher Uhrzeit sind der 29. Mai (Dahlienweg), 10. Juni (Drosselweg), 16. Juni (Oberdorfstraße) und 24. Mai (Amselweg/Kirschbergstraße). Zudem wurde für die im Herbst 2024 eingereichte Nichtigkeitsklage ein zusätzlicher Antrag auf Baustopp gestellt, so dass auch eine gerichtliche Vorentscheidung in Kürze zu erwarten ist. Begründet wurde die Klage mit den Annahmen über sich entwickelnde Verkehrsmengen und die Entlastungswirkung der neuen Straße. Beide Werte seien stark überhöht dargestellt und widersprechen den der Planungsbehörde selbst vorliegenden Daten aus Verkehrszählungen und –befragungen. Die Gegner*innen der Straße vermuten bewusste Manipulation, um den Bau durchzusetzen. Eine solche Planung sei aber formal nichtig.


Mehr über den Protest gegen den Neubau der B49 unter: https://wald-statt-asphalt.net/rettet-die-jossolleraue-kein-ausbau-der-b49/ und https://b49.siehe.website

 

 

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