BefĂŒrchtung bewahrheitet sich: Gift im Grundwasser!

BefĂŒrchtung bewahrheitet sich: Gift im Grundwasser!

Eine schon lange geĂ€ußerte BefĂŒrchtung hat sich bewahrheitet: Im Trinkwasserschutzgebiet in Stadtallendorf sind seit einigen Monaten krebserregende sprengstofftypische Verbindungen deutlich nachweisbar. In drei verschiedenen Messstellen wurde im MĂ€rz 2022 der sogenannte GeringfĂŒgigkeitsschwellenwert bei verschiedenen sprengstofftypischen Verbindungen  um das bis zu 60fache ĂŒberschritten. „GeringfĂŒgigkeitsschwellenwert“ bezeichnet dabei den Wert,  bei dem â€žkeine relevanten ökotoxischen Wirkungen auftreten und gleichzeitig die Anforderungen der Trinkwasserverordnung eingehalten werden“.

Die Werte im MĂ€rz 2022 lagen dabei nochmal höher als bei der ersten signifikanten Steigerung im Dezember 2021(1). Sie legen nahe, wie begrĂŒndet der Vorwurf ist, dass es bei der Sanierung der Altlasten im vom Ausbau der A49 betroffenen Bereich des WASAG-GelĂ€ndes gravierende MissstĂ€nde gibt. Z. B. ist nur der kleine Bereich von bekannten GebĂ€uden im Trassenbereich des WASAG-GelĂ€ndes saniert worden. Und obwohl  â€ždas Auffinden weiterer Altlasten-VerdachtsflĂ€chen wĂ€hrend des Trassenbaus durchaus im Bereich des Möglichen liegt“ (2) und fĂŒr die Tieferlegung der Trasse im WASAG-GelĂ€nde weit ĂŒber 400.000 m3 ausgegraben werden, wurde auf eine Beprobung etlicher großer FlĂ€chen verzichtet. Auch die gutachterlich geforderte und von Politikern angekĂŒndigte Kontrollanalytik (3) wurde nur mangelhaft umgesetzt: FĂŒr mehr als die HĂ€lfte des TrassengelĂ€ndes hat es keine Beprobungen der Erde gegeben.

Im hessischen Baumerkblatt heißt es, der Bauherr habe auf FlĂ€chen, auf denen Kontaminationen nicht ausgeschlossen werden können, zu prĂŒfen, ob der Boden kontaminiert ist (4). Und im Bodenmanagementkonzept der Bau-ARGE ist dokumentiert, dass trotz der Sanierung noch „relevante Schadstoffbelastungen in den Bereichen des WASAG-GelĂ€ndes verblieben“  sind (5). Trotzdem wurde Boden Lasterweise ohne Beprobung verlagert. 

Eine solche Verlagerung ist verantwortungslos. Und Messungen legen nahe, dass damit tatsĂ€chlich Kontaminationen verlagert wurden. Denn allein mit der Verlagerung von kontaminierter Erde lĂ€sst sich erklĂ€ren, dass an bisher unbelasteten Stellen der Sprengstoff TNT nachgewiesen wurde. So wurde im Dezember 2021 nördlich des WASAG-GelĂ€ndes (Foto 1) TNT gemessen. Wo soll diese Kontamination herkommen, wenn das Wasser das AltlastengelĂ€nde hier noch gar nicht durchflossen hat? Und wie anders als mit der Verlagerung von kontaminierter Erde lĂ€sst sich erklĂ€ren, dass im Sommer sowohl in einer PfĂŒtze an der Trasse (Foto 2) wie auch in dem trassennahen FlĂŒsschen Joßklein TNT nachgewiesen wurde? UnzĂ€hlige LKWs haben Erde aber auch an andere Stellen der Trasse – auch in die Wasserschutzzone II – verlagert, wo das Grundwasser nicht auf sprengstofftypische Verbindungen ĂŒberprĂŒft wird.

Daher muss es nun höchste PrioritĂ€t haben, den Trinkwasserschutz mit konkreten Maßnahmen sicherzustellen. So ist nach gegenwĂ€rtigem Sachstand noch keine Sickerwasserprognose in Auftrag gegeben (6), obwohl sie nach rechtlichen Bestimmungen geboten ist. Grundlage dieser Sickerwasserprognose muss eine hydrogeologische Modellierung sein, wie sie bisher nur fĂŒr das benachbarte GelĂ€nde der Dynamit AG erstellt wurde. Allein eine solche Modellierung ermöglicht es, auszuschließen, dass es der Ausbau der A49 ist, der fĂŒr den exorbitanten TNT Messwert an der Standortschießanlage in Kirtorf verantwortlich ist. Hier wurde im September 2021 eine 260fache (!) Überschreitung des GeringfĂŒgigkeitsschwellenwertes fĂŒr TNT gemessen.  (7)

Außerdem ist nun eine hydraulische Sicherung einzurichten wie im Sanierungsplan vorgeschlagen (8). Denn anders als von Politikern behauptet (9) umfasst die hydraulische Sicherung in Stadtallendorf nicht den vom Trassenausbau betroffenen Teil des WASAG-GelĂ€ndes, sondern lediglich das benachbarte GelĂ€nde der Dynamit AG. Seit dem Ende der dortigen – ĂŒberaus modellhaften – Sanierung 2005 wurden durch diese Sicherung ĂŒber 1000 kg Sprengstoff aus dem Wasser gefiltert. (10) Das zeigt, dass dies eine effektive Maßnahme zur Sicherung der QualitĂ€t des Trinkwassers ist.

Es duldet keinen Aufschub, solche rechtlich gebotenen wirkungsvollen Konsequenzen aus den Messdaten des Grundwassermonitorings zu ziehen. Denn nicht nur die BĂŒrger Stadtallendorfs trinken das Wasser aus dem vom Trassenbau betroffenen GelĂ€nde, sondern noch ca. 500.000 weitere Menschen.

1)    Vgl. den Kurzbericht zum Grundwassermonitoring im MĂ€rz 2022 vom 8.6.22

2)    Stellungnahme des RegierungsprĂ€sidiums zum Antrag des ASV Marburg zur Planfeststellung fĂŒr den Neubau der BAB 49 Abschnitt Stadtallendorf – GemĂŒnden vom 2.5.2007

3)    https://starweb.hessen.de/cache/DRS/18/4/03694.pdf  (Antwort auf Frage 1 und 4)

4)     https://rp-kassel.hessen.de/sites/rp-kassel.hessen.de/files/2022-08/baumerkblatt_2018-09-01_0.pdf  Dort heißt es unter 1.1. die Verordnung gelte fĂŒr Baumaßnahmen auf FlĂ€chen, auf denen Kontaminationen mit Schadstoffen nicht ausgeschlossen werden können und unter 2. der Bauherr habe vor dem Aushub zu prĂŒfen, ob der Boden kontaminiert ist.

5)    Bodenmanagementkonzept der Bau-ARGE A49 (Stand: 20.4.21), Seite 8

6) Auf der Landesmitgliederversammlung der GrĂŒnen am 11.6.22 hatte die hessische Umweltministerin Priska Hinz zugesagt, den Grundwasserschutz sicherzustellen und auch, dass es eine Sickerwasserprognose geben wĂŒrde, „wenn es an irgendeiner Stelle zu einem Problem kommen wird.“ Das ist jetzt der Fall!  https://www.youtube.com/watch?v=bOVIJtA1fpE&t=15278s  4 h15 min 08 – 18 sec 

7) Die Standortschießanlage Kirtorf liegt nur ca. 1,5 km von der KlĂ€ranlage an der Hauptmann-Matthes-Straße entfernt, wo Arbeiten zur Verlegung von KanĂ€len durchgefĂŒhrt wurden, ohne dass der Boden beprobt worden wĂ€re. (https://www.danni-lebt.de/un-recht/rp/kl%C3%A4ranlage

Am deutlich weiter von WASAG-GelĂ€nde entfernten StandortĂŒbungsplatz in Kirtorf gab es dagegen nur minimale Überschreitungen des GeringfĂŒgigkeitsschwellenwertes.

Zum Vergleich: die Messstelle A 33, die die FĂŒllgruppe II ĂŒberwachen soll, ist ca. 2 km vom Sanierungsgebiet entfernt.

8) Sanierungsplan ehem. WASAG-FĂŒllgruppe II im Bereich der Trassenquerung der BAB 49, Anlage 8.1. Grundwassermonitoring, S. 3, vom 27.10.2017

9) https://dserver.bundestag.de/btd/19/217/1921748.pdf  Antwort auf Frage 1

10) Genauere Zahlen in der Grafik rechts auf der folgende Seite:

https://www.him-stadtallendorf.de/arbeitsfelder/wasser_hydr_sicherung.html

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