Heibo bleibt!

Heibo bleibt!

„HEIBO“ ist der Name einer Waldbesetzung in der NĂ€he von Dresden. Es geht um das Stoppen des Kiesabbaus, verbunden mit Forderungen nach Klimagerechtigkeit, Kapitalismuskritik, Bau- und MobilitĂ€tswende. „Heibo“ steht fĂŒr Heidebogen, der Name des bedrohten Waldes bei Ottendorf Okrilla und WĂŒrschnitz, in dem die Besetzung seit September 2021 besteht.

Wir sind eine kleine Gruppe Menschen und haben viele SchlafplĂ€tze. Egal ob nur fĂŒr ein paar Tage, eine Aktion oder ein paar Wochen: wir freuen uns auf euch!

Warum sind wir hier?

Aufgrund der laufenden und geplanten Sand- und Kiesabbaufelder in der Radeburg-Laußnitzer Heide ist geplant insgesamt 900 Hektar WaldflĂ€che zu roden. Diese FlĂ€che bildet gleichzeitig das Wassereinzugsgebiet fĂŒr unter naturschutzstehende Moore und Waldmoore. Durch den Kiesabbau wird sich die Grundwasserneubildung drastisch reduzieren. Dies bedeutet die Moore fallen trocken. ZusĂ€tzlich werden die Kiesgruben teilweise mit Bauschutt verfĂŒllt. Dadurch gelangen NĂ€hrstoffe und Salze ins Moor, was zur langfristigen Zerstörung der Moore fĂŒhrt.

Klimakriese und Kies

Mit der Zerstörung der Moore und Waldmoore in der Radeburg-Laußnitzer Heide durch den Kiessandtagebau werden nicht nur seltene Ökosysteme zerstört. Moore besitzen darĂŒber hinaus in Zeiten des Klimawandels noch eine wichtige Rolle als natĂŒrlicher CO2-Speicher. Die Zerstörung der Moorökosysteme verursacht die Freisetzung des gespeicherten CO2ÂŽs.

Bauwende

Oft wird gesagt, dass der Kiesabbau notwendig ist, weil Kies und Sand die wichtigsten Rohstoffe fĂŒr den Bau von GebĂ€uden, Straßen und anderer Infrastruktur sind. Doch der Bausektor erzeugt riesige Mengen von nicht verwertbarem Abfall und ist einer der CO2-intensivsten Sektoren ĂŒberhaupt. Nach einer Studie der UN von 2020 ist die Bauindustrie inzwischen fĂŒr 10 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich – das ist deutlich mehr als der weltweite Flugverkehr.2 Ein Einfaches „Wir brauchen das eben“, ist somit moralisch schwer tragbar. Folglich muss sich etwas Ă€ndern daran, wie und was wir neu bauen und wie wir die RĂ€ume, die bereits gebaut sind, nutzen.

Brauchen wir wirklich mehr Luxusapartments und einen Autobahnausbau in Sachsen, um hier ein glĂŒckliches Leben zu fĂŒhren? Viele Menschen leben auf viel mehr FlĂ€che als sie eigentlich brauchen und nutzen, HĂ€user stehen leer wĂ€hrend Menschen obdachlos werden. Das Teilen von RĂ€umen und FlĂ€chen, die Nutzung von leerstehendem Wohnraum oder gemeinschaftliche Wohnprojekte können fĂŒr viele Menschen eine gute Möglichkeit sein schon bestehende WohnflĂ€chen besser zu nutzen.

FĂŒr die Projekte, die wir uns als Gesellschaft leisten wollen, sollte die Wiederverwendung von Materialen schon beim Bau mitbedacht werden. Es gibt außerdem viele alternative Bauweisen, beispielsweise mit nachwachsenden Baustoffen, die wir erproben und weiterentwickeln könnten.

Keine SymptombekĂ€mpfung – Globale Gerechtigkeit jetzt!

Als Besetzung wollen wir aber nicht isoliert Umwelt- und Klimaschutz betreiben, sondern auf die GrĂŒnde aufmerksam machen, warum unsere Gesellschaft Natur zerstört und so viel Ungerechtigkeit produziert. Das Wirtschaftssystem unserer Gesellschaft baut auf Wachstum als Lösung aller Probleme auf. Aber das kapitalistische System fĂŒhrt zu einem zerstörerischen Ressourcenverbrauch und befeuert die Klimakrise.4 Deshalb mĂŒssen wir das politische Mantra des Wachstums durchbrechen und neue Wege gehen, wie wir gerechter wirtschaften und miteinander leben können und wollen. Wir mĂŒssen neue Fragen stellen und kreative Antworten finden: Was brauchen wir eigentlich an materiellem Wohlstand, um ein glĂŒckliches Leben fĂŒhren zu können? Wie kann dieser Wohlstand global gerecht verteilt werden? Wie schaffen wir es die Ressourcengrenzen unseres Planeten dabei nicht zu ĂŒberschreiten?

Es geht uns also nicht darum, die Naturzerstörung hier vor Ort zu verhindern nur damit sie dann in Polen oder im Globalen SĂŒden stattfindet. Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Wandel, um die Naturzerstörung auf diesem Planeten zu reduzieren. Dabei mĂŒssen wir uns kritisch mit unserem kolonialen Erbe auseinandersetzen und in SolidaritĂ€t mit den Menschen im Globalen SĂŒden fĂŒr die gerechte Verteilung von Ressourcen kĂ€mpfen.

Utopie leben

Das Wirtschaftssystem, in dem wir leben, schadet uns und fördert Ungleichheit. Der Heibo ist aber nicht nur ein Ort des Protestes gegen globale Umweltzerstörung, sondern auch ein Freiraum, in dem wir darĂŒber nachdenken und aushandeln können, in was fĂŒr einer Gesellschaft wir leben wollen. Wir brauchen eine intakte Natur, zu der wir uns zugehörig fĂŒhlen, weil wir wissen, dass wir ohne sie nicht ĂŒberleben können. Aber wir brauchen auch eine Gesellschaft, in der Menschen sich frei entfalten können, und unabhĂ€ngig von ihrem Geschlecht, ihrer Hautfarbe oder dem Ort ihrer Geburt dieselben Chancen auf ein gutes und selbstbestimmtes Leben haben. Wir wĂŒnschen uns ein Zusammenleben, in dem sich die Menschen solidarisch verhalten und nicht in einer stĂ€ndigen kapitalistischen Konkurrenz zueinander stehen. Hier im Heibo gestalten wir einem Raum, in dem wir unsere Utopie gemeinsam leben können.

Bau mit uns Plattformen, HĂ€user und Barrikaden! Wir wollen, wo wir nun schon mal hier sind und auch bleiben, gemeinsam einen langfristigen Freiraum schaffen.

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Spendenkonto

Konto: Spenden&Aktionen
IBAN: DE29 5139 0000 0092 8818 06
BIC: VBMHDE5F
Verwendungszweck: Heibo
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