Die Rodungssaison ist zu Ende! Ein Rückblick
Die vergangene Rodungssaison hat einmal mehr gezeigt: Waldbesetzungen sind kein romantisches Relikt vergangener Klimaproteste, sondern ein wirksames Mittel zur Verteidigung von Naturflächen. Während vielerorts gerodet wurde und Besetzungen geräumt wurden, gab es gleichzeitig bemerkenswerte Erfolge. Besonders deutlich wurde dabei, dass direkter Widerstand im Wald eine entscheidende Rolle spielen kann – oft gerade dann, wenn er mit juristischen oder politischen Kampagnen zusammenkommt.
Sichtbar wurde das zuletzt im Wilden Wald in Hamburg. Dort konnte eine geplante Rodung verhindert werden – nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Strategien. Eine Baumbesetzung machte die drohende Zerstörung öffentlich und verhinderte kurzfristig Fakten vor Ort. Gleichzeitig lief eine Klage einer Umweltorganisation gegen das Projekt. Erst diese Kombination führte letztlich dazu, dass die Rodung gestoppt wurde. Der Wilde Wald ist damit ein Beispiel dafür, wie Waldbesetzungen konkret wirken können: Sie schaffen Zeit, erhöhen den politischen Druck und machen juristische Schritte überhaupt erst möglich.
Eine ähnliche Dynamik zeigte sich rückblickend auch beim Kampf um Hanni, wo der Bebauungsplan im Oktober endgültig gestoppt wurde. Auch dort war die Waldbesetzung ein zentraler Faktor. Sie hielt den Konflikt sichtbar und sorgte dafür, dass das Projekt politisch immer wieder infrage gestellt wurde. Solche Erfolge entstehen nicht immer so schnell – aber sie zeigen, dass kontinuierlicher Widerstand tatsächlich Projekte zu Fall bringen kann.
Auch kleinere oder kurzfristigere Besetzungen können Wirkung entfalten. Am Osthang etwa konnte ein erster Rodungsversuch von nur wenigen Menschen abgewehrt werden, die die Bäume mit Schaukeln und Hängematten kurzzeitig besetzten. Die Aktion brachte den Konflikt zurück in die öffentliche Diskussion und machte deutlich, dass die geplante Zerstörung keineswegs unumstritten ist. Selbst dort, wo Entscheidungen noch nicht endgültig gefallen sind, können Waldbesetzungen den Verlauf eines Konflikts verändern. Sie verhindern, dass Rodungen leise und ohne Aufmerksamkeit stattfinden.




Eindrücke aus den geräumten Besetzungen im Sündi und Banny
Neben diesen besonders sichtbaren Kämpfen gab es weitere Erfolge, die zeigen, wie breit die Bewegung geworden ist. Gerichtliche Entscheidungen stoppten vorläufig Industrieplanungen von Red Bull in Baruth, auch das Autobahnprojekt A26 Ost wurde im Oktober gestoppt. Ähnliche Entwicklungen gab es international: In den Wondelmeersen wurde ein Bauprojekt ausgesetzt, in Nordschweden verhinderten Aktivist*innen eine Rodung. Nicht jeder dieser Erfolge entstand direkt aus einer Waldbesetzung, aber fast alle wären ohne den Druck einer aktiven Bewegung kaum denkbar gewesen.
Überall dort, wo Menschen beschließen, nicht länger nur zuzusehen, entsteht die Möglichkeit, etwas zu verändern.
Gleichzeitig entstanden neue Besetzungen. Orte wie das Lüner Holz (Lüneburg), der Trümmerberg „Trümmi“ (Magdeburg), der Osthang (Darmstadt) oder die Jossoleraue (Gießen) zeigen, dass die Bewegung trotz zahlreicher Räumungen und Repressionen weiter wächst. Immer wieder entscheiden sich Menschen, bedrohte Naturflächen durch Besetzungen vor der sicheren Zerstörung zu beschützen – oft ohne große Strukturen im Hintergrund, sondern einfach aus der Entscheidung heraus, einen Ort zu verteidigen.
Natürlich war diese Rodungssaison auch geprägt von Räumungen. Im Langener Bannwald aka „Banny“ wurde die Besetzung von einem Polizei-Großaufgebot geräumt und Teile des Waldes dem Erdboden gleich gemacht. Auch am Osthang, im Sündenwäldchen oder im Lüner Holz wurden Aktivist*innen von Polizei geräumt. International traf es unter anderem Besetzungen im Bergschlösslpark und im dänischen Knabstrup. Räumungen bedeuten oft das Ende eines konkreten Ortes – aber selten das Ende des Widerstands. Viele Konflikte gehen weiter, manchmal an anderen Stellen, manchmal Jahre später.
Gerade im Rückblick zeigt sich, dass Waldbesetzungen nie umsonst sind. Selbst dort, wo gerodet wurde, haben sie Aufmerksamkeit geschaffen, Netzwerke entstehen lassen und Wissen weitergegeben. Viele neue Besetzungen sind direkt aus früheren Kämpfen hervorgegangen. Erfahrungen werden weitergetragen, Kontakte bleiben bestehen, und beim nächsten Konflikt sind Menschen schneller handlungsfähig.
Die wichtigste Erkenntnis dieser Rodungssaison ist deshalb vielleicht eine einfache: Wälder werden nicht von allein verteidigt. Aber überall dort, wo Menschen beschließen, nicht länger nur zuzusehen, entsteht die Möglichkeit, etwas zu verändern. Die Erfolge der letzten Monate zeigen, dass Waldbesetzungen nicht nur Widerstand leisten, sondern einen echten Unterschied machen können – von verzögerten Rodungen bis zur nachhaltigen Rettung wertvoller Wälder.


