Ulmer Eichenwald: Aktivist:innen rechnen mit baldiger RĂ€umung und Rodung

Ulmer Eichenwald: Aktivist:innen rechnen mit baldiger RĂ€umung und Rodung

Seit Oktober ist das WaldstĂŒck neben der Psychosomatik der Ulmer Uniklinik von Klimaaktivist:innen mit BaumhĂ€usern besetzt, um eine Rodung fĂŒr ein temporĂ€res Bettenhaus zu verhindern. Nachdem sie die Rodung im letzten FrĂŒhjahr bereits einmal erfolgreich verhindern konnten1 hĂ€ufen sich jetzt die Hinweise auf eine anstehende RĂ€umung und Rodung.

Wiederholt sich der Skandal nach dem Muster der vom Verwaltungsgerichts Köln fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rten RĂ€umung des Hambacher Forsts2? Seine Aussage „Ich brauche einen Vorwand, [
] ich wollt‘ den Wald rĂ€umen“3 brachte den gefallenen CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Wahlkampf viel Kritik ein.

Wir werden hier nicht freiwillig gehen, sondern uns dieser Ungerechtigkeit in den Weg stellen.

„Wir werden hier nicht freiwillig gehen, sondern uns dieser Ungerechtigkeit in den Weg stellen. Die unsĂ€gliche Baupolitik des Uniklinikums und der Stadt muss endlich ein Ende haben, angefangen in diesem WaldstĂŒck! Die sinnlose Zerstörung von Natur fĂŒr Bauprojekte, wie sie hier in Ulm stattfindet, ist beispiellos im Vergleich zu anderen deutschen StĂ€dten. Hat Ulm noch immer nicht verstanden, dass eine Politik des Weiter-So endlich aufhören muss?“ erklĂ€rt Charlie Kiehne (20) den Protest an der Uni.

Am vergangenen Freitag (13.1.) brachte die Uniklinik an einigen BĂ€umen im besetzten Waldgebiebt Schilder mit Warnhinweisen wegen Totholz an. Die Aktivist:innen, die selbst beruflich als Baumpfleger:innen tĂ€tig sind, wundern sich jedoch ĂŒber die Auswahl der gekennzeichneten BĂ€ume: Markiert wurden genau diejenigen BĂ€ume, in denen BaumhĂ€user, Ankerpunkte fĂŒr Traversen und andere aktivistische Strukturen zu finden sind – obwohl diese BĂ€ume gesund und genau aus diesem Grund von den Aktivist:innen fĂŒr den Baumhausbau ausgewĂ€hlt worden waren. Umgekehrt ließ die Uniklinik diejenigen BĂ€ume, in denen aufgrund ihres geschwĂ€chten Gesundheitszustands die Waldbesetzer:innen absichtlich keine Strukturen bauten, unmarkiert. Jetzt befĂŒrchten sie, dass Totholz als Vorwand fĂŒr eine RĂ€umung der BaumhĂ€user genutzt wird.

„Im Hambacher Forst wurden damals zunĂ€chst die Feuerlöscher beschlagnahmt und dann der mangelnde Brandschutz als RĂ€umungsgrund vorgeschoben4. Wir befĂŒrchten, dass die Uniklinik und die Stadt jetzt ihre Totholzmarkierungen als Vorwand nutzt, um uns zu rĂ€umen. Sie möchten ihr Gesicht waren, da eine RĂ€umung allein aus dem Grund, trotz AlternativflĂ€chen ein Bauprojekt auf den Weg zu bringen, der Öffentlichkeit heute nicht mehr vermittelbar wĂ€re.“ fĂŒgt Samuel Bosch (20) hinzu.

Die RĂ€umung und Rodung wurde den Aktivist:innen von Seiten der Polizei bereits unterschwellig angekĂŒndigt. Trotzdem harren diese weiter in dem WaldstĂŒck aus, veranstalten Workshops und Klettertrainings fĂŒr Anwohner:innen und versuchen weiterhin die Bevölkerung ĂŒber die anstehende Rodung zu informieren. Auf ihrer Website ulmer-uniwald-bleibt.de veröffentlichten sie Hinweise, wie BĂŒrger:innen im Ernstfall die Verteidigung des Eichenwalds durch beispielsweise Sitzblockaden vor Rodungsmaschinen unterstĂŒtzen können.

Pressekonferenz am Montag

Am Montag dem 16.01. um 11 Uhr lÀdt die Waldbesetzung zu einer offenen Pressekonferenz an der Besetzung im Ulmer Eichenwald ein. Dort sollen u.a. aktuelle Informationen und Strategien zur Waldverteidigung besprochen werden.

Update 16.01.23: Auf Grund der heutigen RÀumung wurde die PK auf Dienstag den 17.01. 10 Uhr verlegt. Die PK soll so nahe wie möglich an der ehemaligen Besetzung stattfinden.

Folgende Inhalte sind geplant:

  • Schilderung des RĂ€umungsverlauf aus Sicht der Aktivist*innen
  • Stellungnahme von Baumpfleger*innen
  • AnwĂ€ltliche RechtseinschĂ€tzung: War die RĂ€umung rechtswidrig?
  • AnkĂŒndigung weiterer Aktionen, wie es weiter geht
  • Möglichkeit fĂŒr O-Töne mit Aktivistinnen und UnterstĂŒtzterinnen
  • Möglichkeit fĂŒr Fotodokumentation des gerodeten Gebiets
  • Möglichkeit, die Anzahl Eichen mit eigenen Aussagen nachzuzĂ€hlen, nachdem es zu diesem Detail immer wieder verschiedene Behauptungen gab.

Zu der Pressekonferenz sind auch Uniklinikchef Udo Kaisers und BaubĂŒrgermeister Tim von Winning eingeladen.

Links & Quellen

[1] https://www.swp.de
[2] https://www.zdf.de
[3] https://taz.de
[4] https://www.spiegel.de

Mehr ĂŒber die Besetzung im Eichi auf unserer Protestseite Eichi bleibt! Verteidigt den Eichenwald an der Ulmer Uniklinik

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