Waldbesetzung TĂŒmpeltown: Kippt der Biber den Schnellwegausbau?
Waldbesetzung TĂŒmpeltown â Biber siedeln sich im TĂŒmpel an. Kippt der Biber jetzt noch den Schnellwegausbau?
Hannover â Die Waldbesetzung „TĂŒmpeltown“, die sich seit fast einem Jahr erfolgreich einer Rodung der Leinemasch widersetzt, hat nun unerwartete UnterstĂŒtzung erhalten: In dem namengebenden TĂŒmpel haben sich zwei Biber angesiedelt und einen arttypisch unterirdischen Bau angelegt. Da die nach EU-Naturschutzrichtlinie streng geschĂŒtzte Art in dieser sensiblen Phase der Fortpflanzung nicht gestört oder gar gefangen werden darf, wird dies eine erhebliche Komplikation, wenn nicht gar das Aus fĂŒr den Schnellwegausbau bedeuten.
Bereits kurz nach Beginn der Besetzung im Oktober 2022 konnten wir Besetzer*innen immer wieder einen Biber im TĂŒmpel und am Ufer beobachten und berichteten uns nahestehenden fachkundigen Personen davon. Das fĂŒhrte zu der Idee, in der NĂ€he des vermuteten Biberbaus sog. Wildkameras zu installieren, um die TĂ€tigkeit der nachtaktiven Tiere mittels Infrarotaufnahmen zu dokumentieren. TatsĂ€chlich konnten die aufgenommenen Filmszenen sehr schnell Gewissheit bringen, dass es sich sogar um zwei Biber handelt. Und die nutzen den TĂŒmpel nicht nur zur Nahrungssuche: RegelmĂ€Ăig tauchten die Tiere an der immer gleichen Stelle unmittelbar vor dem Ufer ab. Deutliches Zeichen dafĂŒr, dass hier der Eingang eines Baus liegen muss. Biber graben bevorzugt eine Höhle in die Uferböschung, wobei der Eingang unter Wasser liegt, weil so ihren wenigen Fressfeinden, wie Fuchs, Uhu oder Seeadler, der Zugang verwehrt bleibt (die berĂŒhmten „Biberburgen“ aus Zweigen und Ăsten sind eher eine Ausnahme).
Anfangs dachten wir noch, es wĂŒrde sich nur um einen einzelnen Biber handeln. Wir haben ihn ĂŒbrigens Egon genannt. Dank der Aufnahmen wissen wir jetzt, dass es tatsĂ€chlich zwei sind: Egon & Gerda.
Einer der Wald-Besetzer*innen, der sich „Wikinger“ nennt, beschreibt, wie es dann weiterging: „Anfangs dachten wir noch, es wĂŒrde sich nur um einen einzelnen Biber handeln. Wir haben ihn ĂŒbrigens Egon genannt. Dank der Aufnahmen wissen wir jetzt, dass es tatsĂ€chlich zwei sind: Egon & Gerda! Um den Schutz der Tiere sicherzustellen, haben wir schon sehr frĂŒhzeitig Kontakt zur Naturschutzorganisation NABU aufgenommen, fĂŒr deren UnterstĂŒtzung und Beratung wir uns herzlich bedanken.“
Der NABU Niedersachsen hat in diesen Tagen die Meldung „offiziell“ an die zustĂ€ndige Untere Naturschutzbehörde gegeben, fĂŒr die Region Hannover ist dies das Dezernat Umwelt, Klima, Planung und Bauen. „Das Pikante an der Sache“, berichtet Wikinger weiter, „ist ja, dass der TĂŒmpel im Rahmen des SĂŒdschnellwegausbaus trocken gelegt werden sollte. Die FlĂ€che war einerseits als Abstellplatz fĂŒr Baumaschinen gedacht und andererseits wĂŒrde der verbreiterte Damm â wenn es denn dazu kommt â bis ans jetzige TĂŒmpelnordufer reichen. Vor der Trockenlegung mĂŒssten die Biber allerdings umgesiedelt werden, aber das ist laut EU-Recht verboten. Biber sind streng geschĂŒtzt, sie stehen auf der Roten Liste.“
Wir erwarten […], dass der Bund als Bauherrin und die StraĂenbaubehörde als AusfĂŒhrende des Schnellwegausbaus EU-Recht respektieren und die Finger von den Bibern und dem TĂŒmpel lassen.
Was passiert nun mit dem Schnellwegausbau? Dazu Besetzer*in Belgrad: „Wir TĂŒmpeltown-Besetzer*innen bereiten uns seit Wochen intensiv auf die bevorstehende Rodungssaison und eine drohende RĂ€umung vor. Eins ist fĂŒr uns ganz klar: Egon & Gerda, unsere TĂŒmpeltown-Biber, haben sich hier gerade einen neuen Lebensraum geschaffen und diesen werden wir genauso vehement verteidigen wie unsere BaumhĂ€user, wenn es drauf ankommt. Wir erwarten aber, dass der Bund als Bauherrin und die StraĂenbaubehörde als AusfĂŒhrende des Schnellwegausbaus EU-Recht respektieren und die Finger von den Bibern und dem TĂŒmpel lassen. SpĂ€testens jetzt mĂŒssen Politik und Behörden umdenken: Mit einer Sanierung des Schnellwegs im Bestand und dem Verzicht auf die Verbreiterung, wie es auch die Aktivist*innen von LeinemaschBleibt und mit ihnen ein breites bĂŒrgerliches BĂŒndnis fordern, wĂ€re alles ganz einfach. Die Autos könnten fahren â es mĂŒssen sowieso deutlich weniger werden, damit Klimaziele erreicht werden können â, die wunderschöne Leinemasch bliebe erhalten und die Menschen hier könnten sich auch in Zukunft noch an Bibern erfreuen.“
Mehr ĂŒber den Protest gegen die Erweiterung des SĂŒdschnellwegs erfahrt ihr auf unserer Protestseite Leinemasch bleibt!


